Das Armband

Er knotete das Armband, sein Armband, dass nach der langen Zeit die er es bereits trug zu einem Teil von ihm geworden war, um ihr Handgelenk. Nicht zu eng, aber auch nicht locker genug um es abstreifen und weglegen zu können. Sie schaute auf das, aus blauen, weißen und roten schnüren geflochtene Band. Dieses Band, stand für all das was sie an diesem Tag hinter sich lassen würde. Für ihn und für ihr gemeinsames Leben. Es stand für all den Streit, die Wut und die Tränen aber auch für die schönen und glücklichen Momente, die Lieb, den Sex. Sie wusste das es das vernünftigste wäre die knoten wieder zu lösen und ihm das Band zurück zu geben um kein Andenken an ihre gemeinsame Zeit zurück zu behalten, abgesehen von den in ihrem Kopf gespeicherten Erinnerungen. Aber sie wusste auch, dass sie es nicht schaffen würde, genauso wenig wie sie es zuvor geschafft hatte sich der Anziehungskraft seiner Lippen und des Rests seines Körpers zu entziehen. Sie hatte gewusst, dass es ihnen beiden den Abschied nur noch erschweren würde sich ein letztes mal auf einander einzulassen. Aber ihr Wunsch, noch einmal zu spüren wie sich die Erregung in ihr ausbreitete, bis sie sie zu sprengen drohte und sie ihr unbändig freien lauf lasse konnte und zu fühlen, dass es ihm genauso geht, war zu groß. Langsam schaute sie auf, bis ihr Blick den seinen traf. „Das ist dann wohl das Ende“ sagte sie leise. Er nickte schwach bevor er ihr einen letzten Kuss gab. Sie packte ihre Tasche und verließ seine Wohnung, während sie sein Armband ganz deutlich an ihrem Handgelenk spürte, um einen Weg einzuschlagen, auf dem sie beide zu Fremden werden würden.

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Lust

„Kommst du noch mit zu mir?“ eine ganz einfache Frage und eine ganz einfach Antwort „ja das mache ich.“
Bei kurzen und schnellen Geschichten geht es ihr nicht um ihn. Es geht um sie. Nur um sie. Sie hat Stress und Schafprobleme. Trägt Wut und Verzweiflung in sich. Aber in dem Moment mit ihm ist sie ganz da. Alle Gedanken sind klar. All das was sie vorher belastet hat und später belasten wird ist jetzt nicht wichtig. Sie will was sie kriegt und krieg was sie will.
Sie lässt sich gehen. Lässt sich fallen. Er und sie. Kurze und befreiende Momente die den Stress vertreiben.

Vor dem ersten Wort hat es begonnen – und vor dem letzten Wort hat es geendet.

Sie kann ihn verstehen
tiefe Blicke und Vertrautheit
ein Wort:
Wir.

Er kann sie glücklich machen
Fröhlichkeit und Freiheit
zwei Worte:
Komm mit.

Sie erkennt ihre Gefühle
Verbindung und Verlangen
drei Worte:
Ich liebe dich.

Er ist überall nur nicht Bei ihr
Freunde und Bier
vier Worte seine Erklärung:
Das macht ihr nichts.

Sie verschließt ihre Augen
traurig und alleine
vier Worte pure Lüge:
Es ist alles gut.

Sie ist verletzt aber liebt ihn
Schluchzer und Tränen
drei Worte als Bitte:
Bleib bei mir.

Er tut als wäre nichts gewesen
Wut doch kein Streit
zweit Worte seine Entscheidung:
warum nicht.

Sie hat zu viel Ertragen
Gedanken und Sorgen
ein Wort als Ende:
Vorbei.

Enttäuschungen…

Sie ist wütend. Auf ihn und auf sich selbst. Sie ist enttäuscht, weil er sein Versprechen gebrochen hat und sauer weil sie glaubte er würde es nicht tun. Sie wurde eines besseren belehrt. Er hat sich ihr Vertrauen nicht verdient. Sie hat es ihm geschenkt. Es war kein Fehler, das weiß sie. Sie liebt ihn wie einen Bruder und einen besten Freund. Diese Liebe ist ein großes Glück und kann doch so Schmerzhaft sein. Er ist offen und ehrlich, witzig, klug, liebevoll und chaotisch und nimmt kein Blatt vor den Mund aber er wird so schnell wütend, ist verbissen, unzuverlässig und engstirnig. Sie weiß das. Ihre Liebe zu ihm ist vielleicht naiv wie die eines Kindes, aber sie macht sie nicht blind. Und doch hat sie die Enttäuschung nicht kommen sehen. Er hat sie ihm Stich gelassen obwohl sie ihn dringend brauchte. Ein weiterer Schmerz den sie verzeiht. Ein weiterer Fehler den er bereut. Eine Angst vor Verlust die weder ihn noch sie loslassen wird.

Betrunken vor Lust

Sie kennt ihn schon lange. Aber nicht so. Er war ein guter Freund. Nun ist er mehr. Er ist der Grund für ihre Lust und die Liebe die sie umgibt. Zwischen ihnen ist es einfach unkompliziert und er weiß was sie will. Sie hat mit ihm nie zuvor über das gesprochen das sie geil macht. Hat ihm nie von ihren
Phantasien erzählt. Hat nie versucht mit ihm ihre Wünsche zu verwirklichen und hat trotzdem den besten Sex. Kein Orgasmus ist so intensiv und kein Kuss so bedeutend wie mit ihm. Sie kann die Hände nicht von ihm lassen. Ob in der Bahn, der Bar, auf offener Straße oder bei Freunden auf dem Klo, wenn sie ihn ansieht will sie immer nur ihn. Hart, Schnell und möglichst oft. Er sieht sie anders. Er sieht sie wie sie ist. Es ist alles anders. Es ist geiler, heißer, lustvoller und ehrlicher. Es zeigt wer sie ist, es zeigt wer er ist und sie kommen nicht mehr von einander los. Nun ist es nicht mehr nur Sex sondern eine Beziehung und das nun fast ein Jahr.

Phönixfeder

Sie ist eine Phönixfeder.
Sie hinterlässt ihre Seele
und hält daran fest, dass sie in dieser Welt ihren Träumen hinterher laufen muss,
wird von dem Druck der auf ihr lastet zerquetscht
und taucht immer wieder in diese andere, dunkle Welt ab,
glauben an sich selbst und verzweifeln daran,
sucht in immer neuen Betten die wärme die ihr fehlt,
verstößt den Schatten bis er mit viel stärkerer Kraft zu ihr zurück kommt,
gibt nicht auf kämpft weiter und verfängt sich im Licht,
badet in Liebe und Geborgenheit bis sie wieder hinab gezogen wird.
Sie trägt eine enorme Last.
Sie ist eine Phönixfeder.

wild und unbändig

Sie wirbelt über die Tanzfläche. Tanzt, trinkt und liebt als würde es kein morgen mehr geben, als wäre dies der letzte Tag, die letzte Stunde, die letzte Sekunde – der letzte Moment –
Sie lässt die Moral fallen. Befreit sich von den Ketten, die sie zurückhalten, die sie schon so oft gestoppt haben, die nie zugelassen haben das sie sich fallen lässt, in einem fremden Bett aufwacht und vor dem Frühstück wieder verschwindet.
Heute ist es anders. Sie ist frei.
In den Blicken der Männer spiegelt sich ihre Begierde. Ihr Durst wird von Küssen und Alkohol gestillt
Schwitzende Körper reiben sich an einander, reiben sich an ihr.
Massen von Menschen verschwimmen zu einem ganzen. Sie taucht ein in in eine neue Welt.Der Raum ist von Energie geladen. Nackt und ungehemmt. Sie holt sich was sie will. Leidenschaft. Sex.
Es ist ein Tag an dem sie nichts bereut, nichts zurückhält, heute zählt nur sie.
Ihre Bedürfnisse, ihre Befriedigung.
Umgeben von Flackerndem Licht und dröhnender Musik ist sie wild und unbändig.

Die Schlacht

aschfahle Gesichter gefangen in Staub
bedrückend laut und doch so leise
geschundene Körper des Lebens beraubt
geschickt auf eine neue Reise

steigen hinab in die Dunkelheit
Hoffnungslos ganz ohne Macht
Regentschaft der Vergänglichkeit
Ende und Anfang einer langen Schlacht

Weinende Grimasse bleibet gebrochen zurück
früher verhasst doch nun verehrt
verloren geglaubtes Lebensglück
ein letztes Wort beleibt auf ewig verwehrt

Maschendrahtzaun

Langsam geht sie die menschenleer Straße entlang. Schaut sich um und dreht ihren ipod voll auf. Musik dröhnt in ihren Ohren. Durch die Löcher eines Maschendrahtzauns schaut sie auf eine andere Welt. Ihre Hände berühren das kalte Metall das sie daran hindert Frei zu sein. Sie fängt an zu rennen. Irgendwo muss der Zaun doch enden! Ihre Lungen fangen an zu bersten, doch sie gibt nicht auf. Wird schneller und schneller. Ihr Körper wird taub und sie wünscht sich, dass diese Taubheit ihren gesamten Körper erfüllt. Wenn sie nicht frei sein kann, möchte sie zumindest den Schmerz nicht spüren müssen, den die Welt ihr antut.

einsam

Sie begegnet fremden Menschen,
jeden Tag aufs neue,
Massen laufen an ihr vorbei.
Doch die wenigsten nehmen Notiz von ihr,
Selten kommt es vor, dass sie Menschen trifft,
die sie auf ihrem Weg begleiten.
Die nicht mehr fremd sind, sondern vertraut.
Aber nur die wenigsten bleiben auf Dauer.
Schon lange ist niemand mehr geblieben.
Sie ist immer ihren eigenen Weg gegangen
und hat dadurch viel verloren.
Das Leben hat sie einsam gemacht.